Symposium
Architekturgespräch: Welche Wettbewerbe?

Symposium
Datum : Samstag den 14. November 2015
Ort : Bibliothek Werner Oechslin, Einsiedeln
 

Der Wettbewerb wird gerne als der Leuchtturm der Schweizer Baukultur verstanden. Stets wird der «Wettstreit unter Fähigen» (Dolf Schnebli) als Erklärung für die hohe Qualität der Architektur in der Schweiz angeführt. Tatsächlich sind in den letzten Jahrzehnten aus Wettbewerben Bauten hervorgegangen, die für ihre Zeit wegweisend waren und die architektonische Kultur nachhaltig prägten: so etwa das Bad in Bellinzona, das Kirchner Museum in Davos, das Schulhaus in Paspels, die Schulhäuser Leutschenbach oder Birch in Zürich, das Learning Center in Lausanne.

Das Bewährte scheint erfolgreich und die Beteiligten sind gut aufeinander eingespielt: die öffentlichen und privaten Auslober, der SIA als Wächter über die Regeln, die Architektinnen und Architekten als Juroren oder Teilnehmer und nicht zuletzt die Architekturkritik. Dieses System hat sich zunächst diskret und unter der kulturellen Wahrnehmungsschwelle, in den letzten Jahren jedoch immer sichtbarer verändert. Durch die zunehmend obligatorische Zusammenarbeit mit einem ganzen Team von Fachplanern, die Einführung von Präqualifikationsverfahren und einer Vorprüfung, die Besetzung der Jury durch eine wachsende Anzahl von Sachpreisrichtern und die Festlegung präziser Darstellungsformen hat sich der Wettbewerb von einer Ideenkonkurrenz entfernt und zu einem «Realisierungsverfahren» (Aurelio Galfetti) entwickelt – von einem Wettbewerb um das architektonisch und städtebaulich beste Projekt zu einem Verfahren zur öffentlichen Legitimation eines Bauvorhabens. Davon zeugen all die gut organisierten und in jeder Hinsicht optimierten, architektonisch aber oft kompromissreichen Projekte, die sich in jüngster Zeit in Zürich, Genf, Basel, Chur oder Lausanne in Wettbewerben durchgesetzt haben.

An den 9. Einsiedler Architekturgesprächen sind die Architektinnen und Architekten gefordert, den Wettbewerb zur Disposition zu stellen. Ziel der beiden Gesprächsrunden ist ein Positionsbezug der Hauptbeteiligten mit einem Aufruf zu einer erneuerten Wettbewerbskultur.

Eine Veranstaltung des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur, ETH Zürich in Kooperation mit der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, Einsiedeln.


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Prof. Dr. Laurent Stalder